Wie diverse Blogger berichten, führt uns das neue Top-Magazin Vanity Fair in die Welt der wirklichen Berlin-Begriffe ein. So kaufen sich Nerv-Paar B.P. und A.J. angeblich eine Wohnung in Berlin, in der sogenannten «NoTo»-Gegend. Nie gehört? “North Of Torstraße”. Soso. Ich konnte diese Aussage leider nicht ganz nachprüfen, da Vanity Fair bereits am Kiosk ausverkauft war (nein, kein Zeichen für Erfolg – ich tippe mehr auf eine künstlich kleine Auflage).
«NoTo» dagegen ist so eine typische Reiseführer-Aussage, so in der Art wie:
Die Berliner nennen ihren Fernsehturm liebevoll Telespargel.
Der erste Berliner, den ich treffe und der aus freien Stücken die Begriffe NoTo und/oder Telespargel benutzt, kriegt von mir ein Bier ausgegeben.
Nachtrag: Schöner Beitrag dazu auch im Hauptstadtblog: «Shiloh-Nouvelle möchte bitte aus dem Ikea-Kinderparadies abgeholt werden!».
Nachtrag: Jetzt gelernt: Vanity Fair ist ein Heft für Mover and Shaker. Na dann bleibt einem nichts anderes übrig, als die wunderbare Niels Ruf-Parodie Vanity Fear anzusehen.

#1 von AlexG am 10. Februar 2007 - 3:09 PM
Telespargel wurde im Ostteil der Stadt gern verwendet. Ich erwische mich manchmal auch bei der Verwendung, sorry. ;-)
NoTo geht ja wohl gar nicht! Ist ja genaus so unmöglich wie Friedelhain.
In diesem Zusammenhang gern ein Link auf http://www.hauptstadtblog.de/article/2705/ostberlin-wuenscht-eine-gute-heimfahrt
#2 von tobias am 10. Februar 2007 - 4:18 PM
Dieese schreckliche Zeitung hat übrigens ne Erstauflage von 500.000.
Soll sich bei 120.000 einpendeln. Wenn sie denn überlebt.
#3 von Die Stimme der freien Welt am 10. Februar 2007 - 7:37 PM
AlexG: Echt? Eine andere geborene Prenzlauer-Bergerin versicherte mir, daß das auch im Osten ein ungewöhnlicher Begriff gewesen sei. Eiei.
#4 von FoolDC am 11. Februar 2007 - 1:30 PM
Gerade auch beim Girl gelassen:
Posh Ulfardt hat sich “NoTo” tatsächlich nicht ausgedacht. Das soll “Nordlich der Torstraße” heißen (no need for Anglizismen, Posh) und eben genau nicht das mittige Scheunenviertel beschreiben, das Brangelina jetzt endgültig unbewohnbar machen wollen. Sondern in etwa das Viereck zwischen Chausseestr, Torstr, Brunnenstr und dem Wedding.
Der Inhaber meiner zu Berliner Zeiten bevorzugten Bar hat sich das damals ausgedacht, weil unsere Ecke noch keinen In-Namen hatte und ein paar Postkarten gedruckt. Mal in der Z-Bar in der Bergstraße nach Günni fragen, vielleicht hat er noch welche.
Was Posh und seine zugewanderten Berufshipster dabei wohl übersehen haben, ist die Ironie. Und einen Stadtplan können sie auch nicht lesen
#5 von AlexG am 11. Februar 2007 - 1:58 PM
Meine Hand würde ich auch für diese meiner Aussage nicht ins Feuer legen wollen. Man wird ja auch mit der Zeit etwas weich in der Birne.
Der Begriff “Telespargel” wurde durch einen Ost-Berliner Karikaturisten (publizierte glaub’ ich im Eulenspiegelverlag) in meinem Gedächtnis geprägt. Den Namen des Mannes habe ich nun wirklich vergessen. Soweit ich mich aber auch weiterhin erinnern kann, war Telespargel ein “offiziell gewünschter Spitzname”. Insofern hat sich der Begriff dann wohl nicht überall durchgesetzt ;-) Ich sage auch Fernsehturm.
…und wenn wir schon mal bei dem ollen Nostalgie-Zeugs sind: Bilder vom Bau.
Gruß Alex