Der große DSdfW-Wahlplakatcheck: Florian Graf


Hinter den Kulissen der Wahlkampffotos: Was im Fotostudio wirklich geschah…

[Zur Vorgeschichte]

«Wie heißt denn denn unser heutiger erster Kandidat?», fragt Marc, während er im Studio die Köpfe der Blitzanlage einschaltet und testet. «Florian Graf, 33 Jahre», antwortet Assistentin Julia. «Ich habe hier gerade einen Brief von dem in den Händen, das scheint wohl das Wahlkampfprogramm zu sein. «Ja und? Wie sieht er aus?» fragt Doreen, während sie ihren Apple Macintosh anschaltet. «Schau selbst», sagt sie.

«Jetzt machts nicht so spanennd» ruft Marc aus dem Fotostudio. «Det willste jarnicht so jenau wissen», antwortet Doreen, die inzwischen mit Julia die Unterlagen sichtet. «Kennste die Typen inner Klasse, die man sie so richtig mochte? Wa, so Typ Streeba, weeßte schon, wa? Det is jenau so eener. CDU, dit hätte ick ma denken können. Und ooch noch Tempelhof-Schöneberg. Wie spießig … Und die Bildunterschrift: Berlin kann mehr. Wat nen Scheißspruch. Und vor allem: Besser für die Menschen. War dit nich ooch der Slogan von die ARD?»

«Na, das sind doch beste Voraussetzungen dann für unser … Projekt», ruft Marc.

«Zero Tolerance», ruft Julia, «das ist für ihn wichtig. Anscheinend so ein Nachwuchs-Hardliner.»

«Marc, da kannste wat draus machen», ruft Doreen begeistert. «Und kiek Dir mal die Homepage an. Mit Flash-Animation uff der Startseite. Ja, sind wa hier in den Neunzigern, oder wat? Und dann ooch noch der Spruch: “Viel Sp@ß beim Surfen!” – mir wird schlecht, wa.»

«Da kommt er», ruft Julia. «Wat für’n Auto?», fragt Doreen. «Taxi.» «Ah, Wahlkampfkostenerstattung, wa?»

«Guten Tag, Herr Graf, herzlich willkommen im Fotostudio Peiske. Möchten Sie einen Kaffee?» «Nene, danke, lassen sie uns mal direkt gleich anfangen.»

Julia führt ihn ins Studio, stellt Marc, den Fotografen vor und beginnt auch zugleich ihren Make-Up-Koffer zu zücken. «Nicht so viel Make-Up, das sieht ja schwul aus.» «Aber das müssen wir machen, sonst glänzt z. B. ihr Ohr so.» «Das ist mir egal.» «Und diese Stelle da unten am Kinn, die könnte ich auch überschmink…» «Gefällt Ihnen mein Gesicht nicht?», fragt er recht ungehalten. «Dochdoch, es ist nur…» Marc wirft Julia einen zurechtweisenden Blick zu und macht seine Kamera klar.

«So, Herr Graf, jetzt gucken Sie doch einfach mal ganz dynamisch in die Kamera. Ja. Super. Julia, etwas mehr Licht bitte auf die Softbox. Toll. Jetzt so leichte Körperdrehung mit der rechten Schulter, genau.»

«Aber sitzt meine Brille nicht etwas schief?»

«Nein, das muß so, das gibt Dynamik fürs Bild», antwortet Marc. «Jetzt mal ganz leicht die rechte Augenbraue hochziehen… ja genau. Und jetzt ist es ganz wichtig, daß Sie ein wenig lächeln.»

«Ja? Meinen Sie? Aber der letzte Fotograf hat gesagt, daß das mit meinen Zähnen beim Lächeln ab und zu etwas … unvorteilhaft aussieht.»

«Neeeeein, quatsch, das ist super. Also, leichtes Lächeln, Mundwinkel etwas hoch, das gibt dann so nette Lachgrübchen. Ja, genau. Und jetzt noch die Zähne etwas nach vorn … ja… genau so halten …»

·blitz·

«Danke schön, das war’s», beendet Marc das Shooting. «Darf ich die Fotos mal sehen?» «Wir würden gern erst das beste heraussortieren und noch etwas nachbearbeiten, das kann durchaus ein paar Stunden dauern. Und so lange wollen wir Sie nicht warten lassen. Sie sind doch ein vielbeschäftiger Politiker», übernimmt Julia elegant das Wort.

«Ja, da haben sie recht. Diese Termine bringen mich um. Also, schicken Sie die Fotos einfach an meinen Assistenten, Herr Peiske. Und könnten Sie mir noch ein Taxi rufen?»

«Natürlich, das macht meine Assistentin sehr gern. Schönen Tag noch, und viel Erfolg beim Wahlkampf!»

«Danke», ruft Herr Graf im Gehen.

«Ey, wie kannste da so freundlich bleiben? Und dit Foto is doch völlig scheiße. Kopf abgeschnitten bei der stirnhohen Frisur, überbeleuchtetes linkes Ohr, Brille schief – und immer dit schreckliches Grinsen.»

«Doreen, denk an die Kiste Dom Perignon von Christian.»

«OK. Ick mach’ sofort ‘nen Kontaktabzug und schicks heute noch raus, wa.»

Marcs Handy klingelt. «Christian» steht auf dem Display. «Und, wie liefs?»

«Super!», sagt Marc. «Aber ich kann mir niemals vorstellen, daß die aus diesem schrecklichen Foto ein Plakat machen…»

Wahlplakat Florian Graf, CDU

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  1. #1 von olli am 18. August 2006 - 1:39 PM

    Volltreffer.
    Wirklich.

    Das muss einfach authentisch sein.

(wird nicht veröffentlicht)