Es gibt kein Problem


Tim elaboriert in seinem Blog «The Lunatic Fringe» über die Nachteile von elektronischen Wahlsystemen und -computern:

Ich sage es nochmal: es gibt kein Problem. Das aktuelle System mit Zetteln und Kreuzen funktioniert soweit wunderbar und bei begründeten Zweifeln durch Auffälligkeiten oder auch nur Verdacht auf Konspiration kann man die Dinger schön nachzählen. Eins nach dem anderen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Kreuz an der Stelle ist, wo der Wähler es hingesetzt hat ist auch sehr groß, da er es ja mit seinen Augen gesehen und mit den Fingern gefühlt hat, als er das Kreuz gesetzt hat. Wahlcomputer haben nur große Icons auf einem kalten Bildschirm zu bieten. Wer schon mal ‘nen Ticket bei der Bahn am Automaten gekauft hat braucht wahrscheinlich nicht lange um zu begreifen, dass bei diesen “einfachen” Systemen die Verwirrung erst anfängt. Aber was noch viel wichtiger ist: wer garantiert mir, dass mein Druck auf A nicht stattdessen bei B “ankreuzt”? Na? Na? Genau: keiner kann das. Niemand. Personne. Nobody. Nadie.

Die Situation die er beschreibt, erinnert an die alte Platitüde: “Manche Menschen schaffen zu einer Lösung das passende Problem”. Es gibt aber kein Problem, was die technische Abwicklung unseres Wahlvorganges angeht. Das sind alles nur Effizienzverbesserungsmaßnahmen

Ich habe mal in einem Management-Workshop einen langen und hochinteressanten Vortrag über den Unterschied von Effektivität und Effizienz gehört, damals war das am Beispiel von Call-Centern in Indien: Die sind zwar vielleicht höchst effizient, was die Kostenstrukturen angeht, aber das wichtigste ist die Effektivität: Wird mein ZIEL überhaupt erreicht? Und wenn ein Kunde am Call-Center inkompetent betreut wird, dann ist das Ziel nicht erreicht. Und wenn ich keine Effektivität habe, brauche ich auch keine Effizienz.

Das gleiche gilt für elektronische Wahlcomputer: Wenn mein Ziel ist, eine Wahl zu haben, die “allgemein, frei, unmittelbar, gleich und geheim” (GG, Art. 38) ist und ich das Ziel aber mit elektronischen Wahlmaschinen gar nicht erreichen kann, dann ist es scheißegal, wie effizient die Teile sind, und ob – wie Tim so schön schreibt – das «Endergebnis einer Wahl, die nur alle vier oder fünf Jahre stattfindet, nicht in einer sondern nur in zwei Stunden fertig ist.»

Sehr zutreffend, sehr wahr, von daher: unbedingt lesenswert!

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