Goya-Club braucht 1 Mio € und ist zu blöd für Vertragsverhandlungen

Berthold Brecht hat mal gesagt: Wer A sagt, muß nicht auch B sagen. Er kann auch erkennen, daß A falsch war.

Diesen Spruch sollten sich die Goya-Aktionäre zu Herzen nehmen. Nachdem man gestern - oh Wunder – festgestellt hat, daß es «erhebliche Liquiditätslücken» bei der Finanzierung des Clubs gibt, hat man jetzt die Lösung gefunden: Einfach nochmal etwas Geld von den Aktionären einsammeln. Um genau zu sein, braucht man eine Million EUR, wie die WELT heute berichtet. Bis zum 24. April müssen sich die Aktionäre entscheiden, ob sie dem schlechten Geld weiteres gutes hinterherwerfen.

Na, das ist doch easy. 2.700 Aktionäre, jeder 370 Scheine und schon gehts rund. Tja, lassen wir mal die 4,5 Millionen EUR unbezahlte Rechnungen außen vor. Einfach nen kleines Milliönchen, und der Laden läuft. Das strahlt auch Zuversicht aus: Da werden sich die Besucher denken, Mannmannmann, vorher fand ich das Goya ja immer scheiße, aber jetzt wo die Aktionäre nochmal ne Million nachlegen, das sind ja ganz schöne Teufelskerle. Da gehe ich glaube ich jetzt doch gern zum Tanzen hin.

WIE groß die Professionalität dieser erfahrenen Initiatoren des Goya bei den Vertragsverhandlungen war, läßt sich übrigens auch am im oben genannten Artikel bezüglich des Mietvertrages ablesen:

Knackpunkt ist der für den Club-Betrieb notwendige Mietvertrag. Würde die Goya AG verkauft, wäre der Vertrag gegenstandslos. Jaha, da waren Profis am Werk. 12 Mio, aeeh, ich meinte 16,5 Mio € in die Innenausstattung eines Ladens stecken, wo beim Verkauf im Zweifelsfalle alle Assets futsch sind, da man den Raum nicht behalten darf – eine Top-Leistung eines Verhandlungsgenies. Aber man denkt dann, hach, da wird man sich schon einigen, aber nein! Es kommt noch viel besser:

Der jetzige Vertrag sieht vor, daß die Einbauten mit Beendigung des Mietverhältnisses kostenfrei in sein Eigentum übergehen. Wenn der Vermieter also Eigentümer der Einbauten der Goya AG werde, sei davon auszugehen, daß er die Immobilie nach Beendigung des Mietvertrages zu einem wesentlich höheren Mietzins vermieten könne – und auch wolle. Leonhardt hätte diesen Punkt gern mit dem Vermieter besprochen. Doch der habe bereits mitgeteilt, keinen Gesprächsbedarf zu haben.

Das ist so brilliant, da fehlen einem die Worte. Einbauten in Millionenhöhe gehen in den Besitz des Vermieters über – und verkaufen darf man den Laden auch nicht. Für diese Vertragsgestaltung würde ich als Aktionär spätestens jetzt den Vorstand vor den Kadi ziehen.

Manche Leute hätten einfach erkennen sollen, daß die geistige Kapazität nur zum Mischen eines Gin Tonics reicht, aber nicht zum Vorstandsvorsitzenden.

Wenigstens wird noch erwähnt, daß die Million selbst NICHT ausreicht: Neben frischem Kapital müßten aber auch bessere Ergebnisse beim Geschäft mit Fremdveranstaltungen sowie kurzfristig auch höhere Umsätze am Wochenende erzielt werden, bilanzierte Leonhardt. Zur Zeit schreibe der Club monatliche Verluste von rund 100 000 Euro. Die Fixkosten betragen 300 000 Euro plus einem Wareneinsatz von 120 000 Euro. – na dann. Und: Trend fallend: Im März gingen die Umsätze von Wochenende zu Wochenende zurück. “Ich befürchte, dass sich dieser Trend angesichts zu erwartender steigender Temperaturen noch verstärken wird”, schreibt Leonhardt, der auch das Insolvenzverfahren des Kreuzberger Tempodroms betreut. Der Sommer sei für Clubs und Diskotheken die schwächste Saison.

Aber das schöne ist: Der Staat finanziert den Club ja indirekt: Ein Verlust sei nur deshalb vermieden worden, weil die Gehälter der 93 Mitarbeiter zur Zeit noch über das Insolvenzgeld finanziert werden. Mal sehen, was passiert, wenn das Inso-Geld ausläuft. Klingt alles nach sehr solider Finanzplanung.

Kommt, Jungs. Macht den Laden einfach zu und bucht das ganze unter Totalverlust. Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende.

Aber Rettung naht vielleicht doch? Es werden geradezu großartige Parties im Goya geplant. Zitat aus dem Flyer, der über diverse Partylisten ging:

[wer noch nicht im goya war und auf lustig-frivole insolvenz-stimmung gepaart mit -ausnahmsweise- extrem tanzbaren elektrosound steht: hier DIE einzigartige/letzte gelegenheit!]

[...]

Die Spuren konnten durch das fleißige Putzpersonal beseitigt werden, doch 1 Millionen EUR Schulden bleiben. Der Insolvenzverwalter tut sein Bestes, um das sinkende Schiff in trockene Tücher zu rollen. Die letzte Rettung: RONNY. Er erbarmt sich Geburtstag (39) bei seinem Arbeitgeber zu feiern. Zum ersten Mal: Party im Goya!

[...]

Packt die Kutten aus oder zieht zur Abwechslung wie das Goya-Personal mal alles auf links an.

Lasst Euch in dekadentem Bar-Ambiente von Dr. Evil befüllen.

Aufgepasst: Wer vor 10h kommt, spart die 10EUR (!) Eintritt! [Sparfüchse schmuggeln Hart-Alk rein!]

Hoch die Tassen!

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  1. #1 von george unter 12. April 2006

    möchte man sagen… wenn man kein aktionär ist

(wird nicht veröffentlicht)
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