Willkommen im Schwabenland


Gestern mal wieder in meiner Lieblingshauptstadt Stuttgart des open-minded-Häuselebauerlandes Baden-Würtemberg gewesen. Nach der Landung in STR (der professionell-coole Vielflieger benutzt immer nur Three-Letter-Codes, um seinen Vielfliegerstatus zu unterstreichen) setzte ich mich fehlerhafterweise in eines dieser überteuerten Flughafencafes und bestellte an der “Welcome Bar” einen Tee, wo sich folgendes herrliches Gespräch ergab:

Ich: “Einen schwarzen Tee bitte. Mit Milch.”

Sie: “Einen Tee kann ich Ihnen geben, aber Milch habe ich nicht.” (“henni net“, um den Originaldialekt zu zitieren)

Ich: “Dann bitte einen grünen Tee.”

Sie: “Ja, was denn nun?”

Ich: “Einen grünen Tee, bitte.”

Sie: (bereitet heißes Wasser zu)

(währenddessen lese ich die Karte und erspähe stirnrunzelnd das Angebot “Latte Macchiato”)

Ich: “Und womit machen Sie den Latte Macchiato?”

Sie: (verduzt) “Ja, mit Kaffee natürlich.”

(kurze Denkpause)

Ich: “… und … ?”

Sie: “… und mit Milch.” (kurze Denkpause, so langsam die eigene Unlogik erkennend)

Ich: “Ach. Und warum können Sie mir zu meinem schwarzen Tee dann keine Milch geben?”

Sie: “Ja, äh, … das kann ich nicht auf der Rechnung bon-en.” (Anm. d. Red.: Das war mit Abstand die dämlichste Antwort des Universums)

Ich: “Ah, kein Problem. Dann hätte ich gerne einen Latte Macchiato ohne Macchiato und einen schwarzen Tee.”

Sie: (unfreundlich werdend) “Jetzt habe ich Ihnen einen grünen Tee gemacht, den nehmen Sie jetzt auch!”

Ich: (ruhig bleibend) “Bisher haben Sie da nur heißes Wasser, da können sich auch prima einen schwarzen Teebeutel reinhängen.”

Sie: “Ja, was soll denn das jetzt?”

Ich: “Das weiß ich auch nicht. Wissen Sie was, behalten Sie ihren Tee und ihre nicht-bon-bare Milch. Schönen Tag noch.”

Spontan wußte ich wieder, warum ich nie in meinem Leben in Schwaben wohnen werde.

  1. #1 von krow am 7. Oktober 2005 - 2:27 PM

    … :-)

  2. #2 von girl_from_mars am 7. Oktober 2005 - 6:12 PM

    ;)

    Fataler- und unverständlicherweise habe ich es schon 2x fertig gebracht mich in einen echten Stuttgarter zu verlieben. Damals war ich jung und blauäugig. Never again. Denn die Erfahrung an sich war dann doch eher fies desaströs…

  3. #3 von Harald am 3. November 2005 - 4:16 PM

    Ich fühle mit. Als im Schwabenland (Nähe Stuttgarter Fluchhafen) wohnender Bremer weiß ich wie man sich nach einem solchen Erlebnis fühlt. Ich wunder mich auch heute noch oft.

  4. #4 von Markus am 12. Juli 2006 - 5:40 PM

    Jetzt kommt schon….das hört sich ja an, als ob jeder im Ländle so schwierig ist.
    Solche Unikümmer (ist das ein möglicher Plural von Unikum?) finden sich doch überall.
    Ich bin jetzt schon seit > 30 Jahren in und um Stuttgart und habe bislang auch sehr aufgeschlossene und hilfsbereite Menschen kennen gelernt.
    (Oder bin ich womöglich schon infiziert?)

    Deine Reaktion auf diesen Vorfall ist allerdings verständlich. Ich würde nicht anders reagieren.

    Aber als typisch schwäbisch würde ich den Vorfall nicht klassifizieren.

  5. #5 von eowyn am 3. Januar 2007 - 9:35 PM

    Also jetz muas i scho mol was dazu saga!
    Ja mr schwoba Send manchmol scho ebbes komisch.
    Doch em Grossa ond Gansa Kommr scho met uns uskomma.
    Au wenn i vor drei Johr Do weg zoga ben, i mog die
    SCHWOBA!

    Deutsch

    Also jetzt muss ich schon auch mal was dazu sagen!
    Ja die Schwaben sind schon manchmal seltsam,
    doch im großen und ganzen kommt man schon mit ihnen aus.
    Auch wenn ich vor 3 Jahren weggezogen bin, ich ag die Schwaben.

  6. #6 von Lutze am 12. September 2007 - 9:40 AM

    Du meine Güte,
    sind die da alle so?
    Dämlich.

  7. #7 von Leffe am 30. Juni 2008 - 11:54 AM

    Ich weiß, dass ich mich mit meiner Ansicht in die Nesseln setze, aber wenn man sich die einzelnen Beiträge zum “Gespräch” mal getrennt voneinander ansieht, dann fällt einem auf, dass hier nicht nur der klassische deutsche Verkäufer, sondern auch der klassische deutsche Kunde beteiligt ist:

    “Ich hätte gern einen schwarzen Tee. Nein einen grünen.” — wartet, bis die Verkäuferin anfängt, dann, wahrscheinlich in aller Seelenruhe:”Ich habe es mir anders überlegt, und nehme jetzt einen Kaffee.”

    Wer in der Lage ist, sich rechtzeitig zu überlegen, was er haben möchte und dann diesen Wunsch auch noch einigermaßen verständlich und widerspruchslos formulieren kann, der braucht auch nicht das uralte Klischee von der Servicewüste auszupacken.

  8. #8 von Die Stimme der freien Welt am 30. Juni 2008 - 1:30 PM

    Leffe, Mein Wunsch war “schwarzer Tee mit Milch”. Dieses Produkt konnte nicht geliefert werden. Also habe ich ein Alternativprodukt gewählt. Was ist daran so schwer zu verstehen?

  9. #9 von Leffe am 2. Juli 2008 - 1:09 AM

    Hallo Stimme der freien Welt, an Ihren Ausführungen ist nichts schwer zu verstehen, ich wollte auch gar nicht sagen, dass Ihre Ausführungen “schwer zu verstehen” seien. Im Gegenteil: Ihre Ausführungen sind einfach kategorisierbar. Ich bin nicht der Meinung, dass Sie ein “Produkt” bestellt haben, das dann nicht geliefert werden konnte. Das wäre beispielsweise der Fall gewesen, wenn man Ihnen die bereits zugesagte Lieferung eines Autos oder eines teuren Fernsehers verweigert hätte. Sie haben sich lediglich ein Getränk bestellt, das Sie dann doch nicht bekommen haben, und diese banale Situation haben Sie dann zum uralten, und meiner Ansicht nach total verfehlten Thema “Servicewüste Deutschland” hochstilisiert. Um es zusammenzufassen, ich war einfach nur der Meinung, dass mir hier nicht “die Stimme der freien Welt”, sonder vielmehr die Stimme des deutschen Michels begegnet ist.

  10. #10 von hanswurst am 26. September 2008 - 5:22 PM

    unerträglich der quatsch hier. Bin nur zufällig über diese Seite gefallen… das ganze Thema ist völlig unsinnig. Wer nicht schon eine gestresste Bedienung gehabt? Ihr könnt den Schwaben vielleicht mit Geiz kommen aber nicht mit Dummheit und Einfälltigkeit.

  11. #11 von Max am 25. Juni 2010 - 1:54 PM

    Das erinnert mich eher an Erzählungen meiner Eltern aus DDR-Zeiten, wo man in vielen Gaststätten ein Schild “Sie werden plaziert” und andere Eigenheiten erleben konnte…

    Aber das passt schon so zur süddeutschen Mentalität…

  12. #12 von vroni am 12. Juli 2010 - 10:53 AM

    immer wieder schön, nach Hause zu kommen ;-)

    O-Ton: “Des hädet se halt eher sage müsse”!

  13. #13 von Jo am 25. Juli 2010 - 2:20 PM

    Lachtränen wegwischend murmel ich … großartig!

(wird nicht veröffentlicht)