Gestern mehr durch Zufall bei Robbie Williams gewesen und folgendes gelernt:Offensichtliche Erkenntnisse
- Das Konzert wie erwartet. Ein wenig gestreamlined. Alle klatschen brav, Robbie macht kleine lustige Scherzchen zwischen den Songs, die Band ist gut und alle gehen nach 90 Minuten brav nach Hause. Nett, aber unspektakulär.
Nebenbeobachtungen
Der typische Robbie-Fan (im folgenden WBG für Wanna-Be-Groupie gennant) ist weiblich.
WBG tritt in Rudeln mit anderen weiblichen Robbie-Fans auf.
WBG ist sich nicht zu blöd, vor einer Konzerthalle oder einem Hotel zu übernachten/zu frieren.
WBG ist entweder Schülerin, zwischen 16 und 19 mit blonden Haaren zum Zopf gekämmt (noch ganz erträglich) oder Sekretärin, zwischen 39 und 43 mit frecher Kurzhaarfrisur, kupferrot getönt (nicht mehr ganz so erträglich).
WBG kriegt vom Lieblingsrobbie keine Zugabe, obwohl sie mindestens eine Nacht vor dem Verkaufsbüro gecamped hat und immerhin 100 EUR (für meinen Geschmack für 90 Minuten etwas unangemessen) angelegt hat. Das liegt wahrscheinlich daran, daß WBG bei einem Robbie-Williams-Konzert ist und das dort im Gegensatz zu einem Death-Metal-Konzert eher durchgeht – und WBG daraufhin die Bühne nicht auseinandernimmt oder wenigstens eine zünftige Prügelei mit einem Ordner anfängt, bloß weil Robbie keine Zugabe spielt.
WBG lacht artig bei lustigen Geschichten von Robbie und ruft entsetzt “Ohhhh” bei gleichzeitigem Anlegen der Handinnenflächen ans Gesicht, wenn Robbie von seiner gebrochenen Hand erzählt.
WBG ist manchmal mit Freund/Ehemann da, der ebenfalls alle Texte brav auswendig gelernt hat und mindestens genauso schön wie im Original in fast akzentfreiem Englisch gröhlend wiedergibt.
Schlimmer sind nur WBGs samt Begleitungen, wenn diese versuchen Songs mitzusingen, die sich noch NICHT kennen.
Traumjob 1: DJ vor dem Robbie Williams-Konzert werden und sich als einzige Person im Raum selbst feiern.
Traumjob 2: Bediener der roten Pyro-Taste werden und diese eine Minute lang rhythmisch drücken, dadurch für Feuer-Spezialeffekte sorgen und anschließend nach Hause gehen.
Der Trick, als ein nicht der deutschen Sprache mächtiger Star ein paar auswendiggelernte Sätze auf Deutsch zu sagen, klappt seit Jahrzehnten perfekt vorherberechenbar. Besonders empfehlenswert: “Hallo Berlin”, “Ich liebe euch” oder “Ihr seid das beste Publikum”.
Hauptsponsor T-Mobile (nicht zu übersehen bei der Präsenz der Farbe Magenta) fährt in der “Hospitality Lounge” für geladene Gäste vor dem Konzert eher mäßiges Essen auf. Für mehr als den “Heiße-Pfanne Asia-Snack” von Maggi hat’s anscheinend nicht gereicht. Oder war ich in der falschen Tea-Zone?
Auf Sitzplätzen mitfeiernde Fans sind eher langweilig. Hat mehr was von Udo-Jürgens-Konzert.
Menschen fühlen sich mit einem Paß mit der Aufschrift “VIP” um den Hals gleich viel besser. Auch wenn der Paß nichts zu sagen hat. (Anm. d. Red.: Habe mir fest vorgenommen, demnächst mal hier den Begriff “VIP” genauer zu beleuchten)
Nicht alle After-Show-Parties sind scheiße. Die hier war gut.
After-Show-Parties werden gut, wenn ein guter DJ mit anständigem Clubsound auflegt.
After-Show-Parties werden noch besser, wenn man sich den Abend mit ausreichend Gin Tonic versüßt und sich anschließend mit einer Marketing-Leiterin von Schlecker (sic!) unterhält, die ebenfalls schon ein paar Gin Tonic getrunken hat.
Vodka Lemon geht alternativ auch.
Robbie sieht von nahem nach einem Konzert ganz schön scheiße aus. Dicke Augenringe sind gar nicht so kleidsam.
Cora Schumacher hat einen schrecklichen Klamottengeschmack.
Verona Pooooth-Telefonauskunft-Feldbusch auch.
Robbie Williams-Songs von einem Handy in der T-Mobile-Lounge probehören ist scheiße.
Robbie Williams-Songs von einem Handy in der T-Mobile-Lounge probehören wird spontan besser, wenn einem das Handy von einer leichtbekleideten, sich herunterbeugenden Hostess erklärt wird.
Die Berliner Morgenpost mag zwangsdurchgesponsorte Parties nicht.
Die FAZ mag das ganze Album nicht, aber Frau Johanna Adorjan hat eine fast so lustige Schreibe wie ich.
Vielleicht gehe ich das nächste Mal doch wieder hin. Aber nur, wenn es wieder eine Hospitality Lounge gibt.
Nachtrag:
Wie das Hamburger Abendblatt gerade berichtet, gab es nicht nur strenge Auflagen für die Berichterstattung von der After-Show, vielmehr war zum Konzert bis auf einen eigens beauftragten Menschen kein einziger Pressefotograf zugelassen. Köstlich. Was für eine geistige Niete war denn da im totalen PR-Blindflug? Eine brilliante Idee, eine neue Platte vorzustellen, aber darüber keine Presseberichte zuzulassen. Da war jemand am Werk, der sein Publicity-Handwerk wirklich beherrscht. Hat sich ja dann richtig gelohnt, der Aufwand, wenn keiner darüber berichtet. Klingt nach Total-GAU. Laut Abendblatt-Berichterstattung hat dann der Springer-Vorstand den Telekom-Vorstand angerufen um sich zu beschweren – und daraufhin wurde erstmal veranlaßt, daß die Agentur gekickt wurde. Als wenn die sich das alleine ausgedacht hat. Da hätten sie wohl mal eher beim Ober-PR-Fuzzi oder beim Marketingblondchen ansetzen sollen.
Nachtrag 2:
Göttliche Satire dazu auch hier.



#1 von Tyler am 22. Dezember 2005 - 6:04 PM
Na da kann ich mich ja nächstes Jahr auf was gefasst machen, gehe nämlich mit meiner Freundin auf das Münchner Robbie-Konzert.
#2 von Sandra am 30. Januar 2006 - 9:37 PM
Durch Zufall habe ich Deinen Artikel ergoogelt und gelesen. Glückwunsch erst mal zum VIP Ticket. Wie bist du denn DA ran gekommen? T Mobile Gewinnspiel vermute ich mal.
Okay, den Kommentar fand ich etwas schwach und auch nicht sooo lustig, aber ein grosses Dankeschön für “vorherberechenbar” und “Total-Gau”. Wusste gar nicht, dass es so was gibt.
Nichts für ungut und viel Spass noch,
Sandy
PS: Empfehle die Lektüre des Buches “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod”
#3 von Millie am 11. Februar 2006 - 11:27 PM
besonders lustig geht’s hier wirklich nicht zu. Finde Johanna Adorjan dann doch entschieden besser…