Hochbezahlte Trottel


In der Kategorie “Hochbezahlte Trottel” darf ich heute vorstellen: Andre Köttner, “Senior-Portfoliomanager bei Union Investment” - von Beruf Versager Analyst. Unter der vielsagenden Überschrift “Apple darf sich nicht verzetteln” gibt der gute Mann im Sprachrohr deutscher CEOs, der Weltpostille “Manager Magazin”, eine kleine Kostprobe seiner weitsichtigen Analysten-Erkenntnisse:

mm.de: Was muss Apple tun, um seinen Vorsprung zu halten?

Köttner: Apple hat bereits einen guten Schritt getan, der die Zukunft auch außerhalb des iPod-Geschäfts bestimmen wird: Der Konzern hat bekannt gegeben, für seine Computer erstmals Chips von Intel zu verwenden. Und wenn Apple dann noch eine Allianz mit dem Hauptwettbewerber Microsoft einginge, hätte der Konzern wieder einen großen Vorteil. Die Kundschaft ist ja ohnehin nicht mehr ausschließlich auf das Macintosh-System fixiert, da die iPods ja auch kompatibel zu Windows sind.

mm.de: Glauben Sie, dass sich Apple irgendwann von seinem eigenen Betriebssystem verabschiedet?

Köttner: Ich hielte es für einen guten Schritt. Man würde das Kundenpotenzial vervielfachen. Apple hat derzeit etwa 2 Prozent Marktanteil. Und auch auf dem PC-Markt sind die Kunden sicher bereit etwas mehr zu bezahlen, wenn sie dafür das Apple-Design bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass es irgendwann so kommt.

Köstlich. Besonders gut finde ich die Passage, daß Apple nicht mehr auf Macintosh fixiert sei, weil man einen iPod auch an einen PC klemmen kann. Auch die Gründe, warum Leute Macs kaufen, hat er voll verstanden. Das Betriebssystem und die Software ist da tatsächlich Nebensache. So sieht’s aus.

Bestimmt setzt er sich in seinem Büro im scheußlichen Frankfurt am Main in den 18. Stock, öffnet sein Excel, rechnet aus, wieviel Geld Apple mit 20% Marktanteil dank Microsoft-Software mehr verdienen wird und macht anschließend eine kleine Powerpoint-Präsentation daraus. Da ist wirklich ein GANZ großer Profi am Werk. Ein sogenannter Durchblicker. Und der Mann darf wahrscheinlich Millionen verwalten (zum Glück nicht die Meinigen). Herr, wirf Hirn vom Himmel.

Das schlimme an solchem Schwachsinn ist ja vor allem, daß man die offensichtliche Unkenntnise von Analysten, Journalisten oder wie sie alle heißen ja immer recht fix entlarvt, sobald man sich mit einem Thema gut auskennt – oder vielmehr liest man selten kluge Äußerungen dieser Berufsgruppen zu Themen, bei denen man sich gut auskennt. Logisch geschlußfolgert heißt das, daß diese Typen auch zu Themen, bei denen man sich nicht gut auskennt und sich daher in “den Medien” informiert genausoviel Schwachsinn absondern, den man dann möglicherweise sogar für voll nimmt.

Daher merke: Nie einem Blog trauen, das sind alles keine Leute, die das gelernt haben. Alles Amateure. Die haben keine Ahnung, wovon sie schreiben. Oh ihr Profis. Eure letzte Stunde hat schon längst geschlagen, ihr habt den Gong nur noch nicht gehört. Wie hieß doch dieses eine Buch: “Nieten in Nadelstreifen”.

  1. #1 von Martin Dätz am 13. Oktober 2005 - 12:41 AM

    Volle Zustimmung bis auf den einen Punkt: Frankfurt ist nicht scheußlich. Ich selbst habe fast 10 Jahre gebraucht, mich von dieser Einstellung zu verabschieden.

(wird nicht veröffentlicht)