Die Berliner Zeitung berichtet in einem Artikel
über die Umstellung des zentralen Berliner Landesrechenzentrums auf neue Technologien
(Vermutung: ich nehme mal an, weg vom Großrechner) – so weit so schön, auch wenn man
sich die Frage stellen kann, ob da unbedingt die Versager hochqualifizierten
Profis von T-Systems ranmußten.
Viel interessanter ist dieser kleine Nebensatz:
Innenstaatssekretär Ulrich Freise, in der Verwaltung von Senator Ehrhart Körting (SPD) auch zuständig für Informationstechnologie, lobte am Mittwoch die technische Neuerung, die ein überholtes Datensystem aus dem Jahr 1976 ablöst. Es war nicht mehr erweiterungsfähig, ungeeignet etwa für künftige Anwendungen wie die Speicherung biometrischer Daten.
Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Zentrale Speicherung von biometrischen Daten. Werden da Wunschträume von (zum Glück wahrscheinlich bald Ex-) Bürgerspitzel Schily wach? Das Hauptargument für eine Speicherung auf dem tollen RFID-Chip war doch immer, daß da alle Daten drauf sein sollen und keine Zentralkartei mit biometrischen Daten geplant ist. Da wird Paragraph 21 des Paßgesetzes fix erweitert, daß auch der Fingerabdruck gespeichert werden soll und schon haben wir pro Bundesland eine schicke Zentralkartei der Fingerabdrücke aller Bundesbürger. Die natürlich nur zu Zwecken der Paßkontrolle verwendet werden wird.
Schily, ick hör dir trapsen. Cicero war nur der Anfang. Oder um seine Worte zu verwenden: “Es sind doch nur ein paar Hanseln, die mich kritisieren.“
Willkommen im Hansel-Blog.
P.S.: Ab Anfang nächten Jahres gibt es ja das neue Informationsfreiheitsgesetz. Vielleicht sollte man mal einen Real-Life-Distributed-Denial-Of-Service-Attack auf seine Behörde abfahren. Ach nee, da ist Schily ja schon gar nicht mehr im Amt. Hoffentlich. Merke: Jeder Tag ohne Schily ist ein guter Tag.
Nachtrag
Um nochmal auf die hochqualifizierten Profis von T-Systems zurückzukommen, anscheinend haben sie mit dem Projekt wie zu erwarten war einen anständigen Fehlstart hingelegt (siehe Bericht bei Golem und im Berliner Tagesspiegel).
#1 von Experte unter 13. Oktober 2005
Freise hat sich bloß unklar ausgedrückt. Gemeint ist, dass mit einem speziellen Modul der neuen SW auch die zur Produktion der biometrischen Pässe notwendigen biometrischen Daten zusammen mit den Meldedatensätzen an die Bundesdruckerei zur Passproduktion übermittelt werden können. Danach wird der Gesamtdatensatz gelöscht, dies gilt insbesondere für die Fingerabdrücke. Die Gesichtsbilder sind bereits heute in den kommunalen Passregister erlaubterweise gespeichert, allerdings auch nur dort. Eine bundesweite Datenbank biometrischer Daten aller Passinhaber ist durch das Passgesetz verboten und auch nicht geplant.
#2 von experte unter 17. Oktober 2005
das klärt sich ganz easy: körting kann so eine aussage gar nicht treffen, weil er dazu überhaupt nichts zu melden hat, sondern schily bzw. in zukunft schäuble.