Ich bin ja auch für Sicherheit im Flugzeug. Ein angenehmes Gefühl zu wissen, daß nicht in 10.000 Meter Höhe ein Kilo C4-Sprengstoff im Gepäckraum explodieren wird oder ein paar durchgeknallte Typen mit Ihrer Knarre vor der Nase des Kapitäns rumwedeln. Soll ja alles vorkommen.
Nur habe ich in letzter Zeit immer weniger den Eindruck, daß es so weit her ist mit der Flughafensicherheit in unserem Land. Um genau zu sein, wirkt die Sicherheitskontrolle wie ein Haufen undurchdachter Anweisungen, die sich auch noch von Ort zu Ort ändern. Föderalstaat, hurra!
Beispiele gefällig?In München muß man seinen Laptop anschalten, in Berlin nicht.
Wohlgemerkt, als wenn das irgendetwas beweisen würde. Ich mußte neulich mein Powerbook eingeschalten. Einschalten reichte aber nicht. Zitat: “Bis das Windows-Logo kommt.”
Der Apple-Loginscreen reichte dann nach kurzer Diskussion aber auch, so daß mir die engagierte Mitarbeiterin das Gerät freudestrahlend zurückgab:
Sie: “Alles in Ordnung.”
Ich: “Achwas. Und was beweist das jetzt?”
Sie: “Na, äh, daß das Gerät sicher ist und auch wirklich ein Laptop ist.”
Ich: “Achwas. Was glauben Sie denn, was ich anstatt des CD-ROM-Laufwerks so alles einbauen könnte, ohne daß die Funktion des Displays beeinträchtigt würde.”
Sie: “Mh, wie meinen Sie denn das?”
Ich: “Ach, vergessen sie es einfach. Befolgen Sie einfach weiter Ihre Anweisungen.”
Wahrscheinlich wäre ich in den USA nach dieser Aussage für 20 Tage in Dunkelhaft gekommen worden.
Sicherungskabel
In Berlin-Schönefeld mußte ich neulich mein Laptopsicherungs-Stahlkabel abgeben. “Wegen der Bestimmungen, wir haben ja hier easyJet als englische Fluglinie, und die sind immer ein bisschen mit der Sicherheit…” Achso. Zum Glück ist nur Easyjet mit der Sicherheit so … Und nur in Schönefeld. Wenn ich von Tegel aus fliege, dann darf ich damit den Piloten mit dem Kabel ruhig erwürgen (was ja anzunehmenderweise der Gedanke dahinter ist).
Messer
Ich habe neulich mein dickes Schweizer Offiziersmesser im Handgepäck vergessen, was mir kurz vor der Sicherheitskontrolle in Berlin-Tegel einfiel. Nungut, lassen wir’s mal drauf ankommen. Den iPod, den hat er sich ganz genau angeguckt. Das Messer ging einfach so durch. (Anm. d. Red: Auf dem Rückflug habe ichs dann der Einfachheit halber aber doch aufgegeben)
Inkonsistenzen
- In Düsseldorf (nirgends anders) mußte ich neulich meine Gürtelschnalle lösen und mich von dem Sicherheitsmenschen mit halbgeöffneter Hose durchsuchen lassen. Meinen Vorschlag, daß das Öffnen des Gürtels ja auch die unterbeschäftigte Kollegin übernehmen könnte, fanden beide erstaunlicherweise nicht sonderlich witzig. Woanders passiert das sporadisch oder nie.
- In Nürnberg muß man häufig meine Schuhe ausziehen und einzeln durchs Röntgen schieben, in München manchmal, anderswo nie.
Nachkontrolle
In Stuttgart haben sich bei der Nachkontrolle eines meiner Handgepäckstücke die Kontrolleure abgewechselt. Der neue: “Das hier wurde schon kontrolliert, oder? Ich: “Ja, klar, von Ihrem Kollegen.” Glatt gelogen, interessiert aber anscheinend niemanden.
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das besonders ärgerliche daran ist, daß die Sicherheitsleute, in deren Hände ich ja quasi meine Überlebenswahrscheinlichkeit lege, nur stumpfsinning besonders schwachsinnige Anweisungen befolgen – anstatt daß es deutschlandweit einheitliche Standards gibt. Daß man anstatt eines CD-ROMs auch Plastiksprengstoff einbauen kann, auf die Idee werde ja wohl nicht nur ich gekommen sein.
Wenn man jetzt noch daran denkt, daß das nicht mal nur ein innerdeutsches Problem von Hamburg bis München ist, sondern daß man, einmal in Italien eingecheckt, bis nach Finnland ohne Sicherheitskontrolle fliegen kann, na dann prost. Einmal die schwächste Stelle im ganzen Glied gesucht und los geht’s! Nichts geht über Standards.
Oder anders zusammengefaßt: Das tolle an Standards ist, daß es so viele davon gibt.
Und was passiert, wenn man sich einfach mal aus dem Kostümverleih eine Polizistenuniform ausleiht und mit seiner Pistole durch die Sicherheitskontrollen geht, das will man glaube ich gar nicht so genau wissen.
Das einzige, was offensichtlich funktioniert, ist die Reaktionsgeschwindigkeit. Vor mir war neulich am Frankfurter Flughafen eine indische Großfamilie, die ebenfalls an der Sicherheitskontrolle anstanden. Ihr Gepäck wurde durchgeschoben, dann meinte der eine Sicherheitsbeamte, “eine Sekunde bitte” – und ganz lautlos standen wenige Momente später von allen Seiten kommend plötzlich ca. zehn Polizisten mit durchgeladenem Maschinengewehr um die Familie herum.
Die Mutter war offensichtlich auf die brilliante Idee gekommen, ihrem Kind eine Spielzeugpistole zu kaufen und diese im Handgepäck zu transportieren. Merke: Der stille Alarm scheint jedenfalls recht gut zu funktionieren. Achja, ihr Ehemann war äußerst unamüsiert und schrie ihr lautstark auf indisch einige Worte zu, die ich auch ohne Indisch-Kenntnisse ganz klar als Beschimpfungen der härteren Stufe einsortieren konnte. :-)
#1 von Ben unter 23. Mai 2005
.. diese kontrollen sind so ein schwachsinn. wenn ich ein hochmotivierter flugzeugentführer wäre, müsste ich also in berlin einsteigen, und dürfte nicht easyJet fliegen. Notiert.. :)
#2 von Tobi unter 30. Dezember 2006
Hallo,
ich hab ma ne’ Frage: Und zwar, dein iPod wurde der auch auf den Inhalt untersucht oder nur , ob es wirklich einer ist???
Ich fliege nämlich bald auch in die USA.
Danke
Tobi
#3 von Peter unter 22. Februar 2008
So, dann fange ich mal an. Ich bin an einer dieser Sicherheitsleute am dem schönen Flughafen am Main.
Die Sicherheitskontrollen sind schon sehr sinnvoll, wenn sie richtig genutzt werden und das Personal auch vernünftig bezahlt würde. Mittlerweile haben die Flughäfen mehr Personal ausgebildet, als irgendwem recht ist. Das einzigste, was man heute braucht um einen dieser Jobs zu bekommen, ist eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Ich will damit nicht sagen, das wir alle Deppen sind, aber einige sind dabei, die sollten lieber irgendwo die Toiletten reinigen, dabei können die wenigstens nix kaputt machen.
Das Problem liegt ganz einfach darin, dass das Personal mit teilweise 7,50 Euro die Stunde unterbezahlt ist! Wer geht für dieses Geld heute noch Arbeiten? Und so kommen viele Pfeifen in diese Positionen, woran hunderte Menschenleben hängen.
Eine große Sicherheitslücke ist diese Bezahlung auch! Was passiert wenn jemand einem Kollegen mal nen Bündel Geld in die Hand drückt? Darüber machen sich die wenigsten Gedanken! Die Leute, die dort an den Kontrollen arbeiten, leben in vielen Fällen am Lebensminimum.
Und sowas in einem reichen Staat wie Deutschland?!? Diese Standarts, wie oben beschrieben, werden uns vorgegeben, ob wir das wollen oder nicht. Uns wird das denken verboten!
In sehr vielen Fällen, wie auch bei diesen Flüssigkeitsverboten denken wir wie die Passagiere. Aber wir sind nur die, die es ausbaden müssen, was andere Köpfe sich einfallen lassen.
Wie gesagt, die größte Sicherheitslücke in Deutschland bei den Sicherheitskontrollen sehe ich in der Korruption. Darüber sollten sich die Herren der EU mal mehr Gedanken drüber machen, als eine gekaufte Wodkaflasche aus dem Duty Free in Moskau!
#4 von Jan unter 4. Juni 2008
Also mal zu dem Thema Sicherheit.
Ich fliege beruflich sher viel und eigentlich ausschliesslich
aus Kostengründen mit Easyjet und bisher war alles top in Ordnung. Ich denke in Deutschland sind die Kontrollen grösstenteils gut bis sher gut. Wenn ich da an London denken bekomme ich steife Nackenhaare. Da könnte man wahrscheinlich ne MP mit an Bord nehmen ohne Probleme. Da werden auch mal Messer und 1,5 Liter Flaschen Wasser übersehen.
Und in der Schweiz kommte es ganz darauf an wer arbeitet, dort spaziert man durch ohne den Pass zu zeigen.
Alles in allem können wir mit Deutschland zufreiden sein.
#5 von Jana Jenssen unter 26. Juni 2008
Genervt von der Sicherheitskontrolle am Flughafen? Frustriert von der Tatsache, daß ein paar schnell umgeschulte Langzeitarbeitslose am Fraport uns das Weltterroristentum vom Hals halten sollen? Immer noch keine befriedigende Antwort von den Herren am Metalldetektor bekommen, warum noch kein ICE von der Lahntalbrücke gesegelt oder ein LKW voller Sprengstoff eine Ostseefähre versenkt hat – wo die doch gar keine Sicherheitskontrollen machen?
Und warum in Hahn den Gürtel ausziehen (diese Messerfotos kennen wir ja) und in Frankfurt die Schuhe? Was wenn der Schuhbomber nun Ryanair fliegt?
Was ist mit den vielen Milliarden Euro, die uns EU-Bürgern in Kosmetik & Softdrinks weggenommen und vernichtet werden? Das ist ein realer Wohlstandsverlust – und alles nur, weil die Flughäfen gerne Geld für bessere Röntgengeräte sparen möchten?
Es wird Zeit für den mündigen und freiheitsliebenden Bürger, zurück zu schlagen. Der mündige Bürger reist ab sofort immer mit einer Wasserflasche im Gepäck. Der Laptop wird erst nach Aufforderung ausgepackt. Bei Fragen vom Security-Personal tut man erst mal schwerhörig.
Jacke – in die erste Plastikschale. Den Laptop in die 2. – nach Aufforderung. Dann die Laptoptasche. Oh, Geldbeutel und Schlüssel vergessen – piep – die kommen in die 3. Plastikschale. Da kommt ja auch schon die Laptoptasche wieder, wegen der Wasserflasche. Piep. Oh, der Gürtel. Na klar (mecker, mecker beim Personal). Der Gürtel landet in der 4. Plastikschale. Weil der hoch gebildete und stets freundliche Security-Mann des Bürgers Gegenrede gar nicht leiden kann, sind nun auch die Schuhe noch dran. OK, aber grundsätzlich landen die in der 5. Plastikschale. Piept noch immer? Ach je, die Armbanduhr. Oder die Brille? Fazit: 6 Schalen & eine Laptoptasche. Das Ausgangsband hinter der Maschine ist voll. Der mündige Bürger zieht am Band in aller Ruhe minutenlang seine Sachen wieder an, prüft den Laptop, packt ihn ein und vergisst nicht, den Security-Hilfsarbeiter artig zum Abschied zu grüßen, während dieser von ca. 200 Leuten vor dem Metalldetektor ob der Verzögerung mit Blicken getötet wird.
Wie viele solcher mündiger Bürger braucht es eigentlich, um einen Flieger verspätet abheben zu lassen? Um die Security-Performance von Terminal A zu ruinieren? Würde der Security-Wahn weiterhin auf der Tagesordnung stehen, wenn Flugzeuge ständig Gebühren für Verspätungen zahlen müssten?
Ach so, wir brauchen doch Sicherheit. Ja, wohl wahr. Der Bundesgrenzschutz hat mir noch keine befriedigende Antwort darauf gegeben, wie die aktuelle Sicherheitskontrolle verhindern würde, daß ein Terrorist mit mindestens 12 Stunden McGypher-Fernsehkonsum nicht doch einen kapitalen Flammenwerfer oder Schneidbrenner aus Duty-Free-Rum, Silikonschlauch, Stahl-Kugelschreiber, einem Platinschmuckstück als Zünder und der medizinischen Sauerstoff-Gasflasche an Bord des Flugzeugs basteln würde. Oder der klassische 80er-Jahre-Drogenschmuggler-Film. Plastiksprengstoff in Kondomen verschluckt. Abführmittel als Aspirin gefälscht. Kommt doch dauernd vor, das mit den Kondomen und dem Kokain.
Aber der Profiterrorist lacht sich vermutlich ins Fäustchen über die vergeudete Lebenszeit und verlorenen Wohlstand und vergeudete Lebensfreude des Westens… und kauft schon mal Dünger für die Ostseefähre seiner Wahl.
Guten Flug in die Ferien! Und denken Sie dran: Immer nur einen Gegenstand pro Plastikschale – und nur nach Aufforderung, so lange bis der Schichtleiter der Sicherheitskontrolle weint. Und dann sagen Sie ihm: „Sie müssen doch nicht in der Flugbranche arbeiten. Sie könnten doch auch die Bahn wählen.“